Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück (Psalm 73 Vers 28)

Das Jesusgebet

Wer von mir eine Einführung in das Jesusgebet erhalten möchte, kann sich mit mir über das Kontaktformular in Verbindung setzen. Wir vereinbaren dann ein erstes Treffen, nach dem Sie sich entscheiden können, ob Sie bereit sind, sich darauf einzulassen. 


Die Einführung beschränkt sich in der Regel auf sieben Wochen. Wir treffen uns einmal in der Woche für etwas eine bis max. eineinhalb Stunden. 


Das folgende Referat ist eine theoretische Darstellung dessen, was ich unter dem Jesusgebet verstehe, nicht Inhalt der Kurse.



Das Jesusgebet - ein kontemplativer Weg des Betens


"Der Name Jesu sei euer Gruß!"

 

schreibt Bruder Klaus (1417 - 1487) in einem Brief an den Rat von Bern. Im Namen Jesu liegt eine heilsame Kraft. Im Jesusgebet sprechen wir den Namen Jesu als Gebet.

Es ist ein heiliger Name, der in unserem Herzen und damit im Zentrum unserer Persönlichkeit wohnen soll. Es hat etwas besonders auf sich, wenn wir den Namen Jesu meditieren.


Die Kraft des Namens

 

Der Name im biblischen Sinn ist mehr als nur eine Bezeichnung, mehr als nur ein Etikett zur leichteren Identifizierung. Zwischen Name und Namensträger besteht eine innere Verbindung. Gottes Name wohnt eine besondere Kraft inne. Gott ermahnt sein Volk Israel: Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe. Hüte dich vor ihm und gehorche seiner Stimme und sei nicht widerspenstig gegen ihn; denn er wird euer Übertreten nicht vergeben, weil mein Name in ihm ist. (2. Mose 23,21)

Gott wohnt mit seinem Namen im Engel, dem Wegbegleiter der Israeliten. Wo der Name Gottes, dem Macht und Herrlichkeit innewohnt, ausgerufen wird, dort ist Gott selbst gegenwärtig. Im Segen, den Aaron spricht und den wir auch jeden Sonntag am Ende des Gottesdienstes hören, wendet sich Gott selbst seinem Volk zu. „Ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne” lesen wir dazu im 4. Buch Mose (6,27)

Der Name, so Reclams Bibellexikon, steht stellvertretend für Gott selbst, er ist deshalb zu heiligen, zu verherrlichen, zu lieben. Nun verstehen wir auch die Bedeutung des 2. Gebotes, dass wir Gottes Namen ehren sollen, weil Gott selbst in ihm gegenwärtig ist.


Die Voll- Macht des Namens

 

Jesus hat im Namen Gottes gehandelt. Er lehrte „in Vollmacht”. In seinem Handeln war also Gott selbst gegenwärtig. Im Philipperbrief schreibt Paulus deshalb, “dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.” (Philipper 2, 10f)

Die Jünger treten im Namen Jesu auf, verkündigen das Evangelium, taufen und rufen zur Umkehr ins Reich Gottes. Sie tun es jedoch nicht aus eigener Vollmacht. Es ist der Auferstandene, der durch sie handelt, weil sie seinen Namen bekennen.


Das Sakrament des Namens

 

Vielleicht verstehen wir jetzt, wie es zu der tiefen Verehrung des Namens Jesu gekommen ist, die durch das Jesusgebet zum Ausdruck kommt. In der Ostkirche, in der das Jesusgebet seine Heimat hat - die Wurzeln liegen freilich im frühen Mönchstum - ist darüber sogar einmal ein heftiger Streit um die Behauptung entbrannt, dass im Namen Gottes Gott selbst anwesend sei.

Ich denke, man darf das nicht „mechanisch” verstehen, ebenso wenig, wie man die Gegenwart Christi im Heiligen Abendmahl nicht an das Aufsagen einiger Worte binden darf. Es ist und bleibt ein Geheimnis. Und es braucht Gottes Geist selbst, der dieses Gebet mit seiner Gnade erfüllt, damit es ein geistliches Geschehen wird.

Wenn wir aber im Jesusgebet den Namen Jesu im tiefen Vertrauen und in der Sehnsucht nach ihm aussprechen, vertrauen wir darauf, dass er selbst gegenwärtig ist. Es ist also ein sakramentales Gebet, das wir üben.


Die “Übung” des Namens

Vielleicht fragen Sie sich nun: wie betet man das Jesusgebet?

Wir werden in der Stille sitzen und auf unseren Atem achten, auf sein kommen und gehen. Nach einer Weile werden wir jedoch unser Einatmen und Ausatmen mit einem Wort verbinden. Wir sagen beim Einatmen leise für uns: „Jesus” und beim Ausatmen „Christus”.


Das Jesusgebet ist die Zusammenfassung all dessen, was wir glauben.

Der Name Jesu bedeutet: Gott rettet. Wer das Jesusgebet spricht, stellt er sich unter die Heilskraft des göttlichen Namens, der Leben und Seligkeit schenkt.

Es mag wohl dieses Vertrauen sein, in dem einen Wort die gesamte Fülle zur Sprache zu bringen, die ganze menschliche Sehnsucht und Bedürftigkeit und ihr Wissen darum, was sie allein retten kann, das die Beter des Jesusgebets dazu bringt, ihr ganzes (Gebets -) Leben diesem einen Wort zu weihen. Indem wir das Jesusgebet üben, heißen wir den Herrn willkommen, er möge seinen Namen einwurzeln lassen in unser Herz und damit in unsere Personenmitte, damit wir mit den Worten des Apostels sagen können: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. (Gal.2,20)


Es gibt verschiedene Variationen des Jesusgebetes.

 

Das „traditionelle“ Jesusgebet lautet: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner, des Sünders.“ Allerdings gibt es verschiedene Versionen: „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.“ „Christus Jesus“ oder einfach nur „Jesus“ . Deshalb muss jeder für sich herausfinden, welche Anrufung er wählt. Das geschieht meist erst nach längerer Übung. Wer sein Wort gefunden hat, wird das meist als Geschenk verstehen, als Gabe Gottes. Später dürfen wir auch um die Gabe unseres Herzenswortes bitten, das ist das Wort, das Wohnung nehmen soll in unserem Herzen, in unserer Lebensmitte.