Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück (Psalm 73 Vers 28)

Exerzitien im Alltag - Alltagsexerzitien

Was sind Exerzitien?

Übung macht den Meister, sagt ein Sprichwort. Die Aneignung einer Fähigkeit geschieht durch fleißiges Üben unter fachkundiger Anleitung. Das kennen wir auch aus anderen Bereichen. Ein Chorsatz muss geübt werden, bis er sitzt. Ein Pianist verbringt täglich viele Stunden am Klavier. Geübt wird die Fingerfertigkeit. Geübt werden schwierige Passagen. 

Auch das Glaubensleben will eingeübt sein. Dafür sind die Exerzitien da. Exerzitien sind geistliche Übungen.

In der Regel werden Exerzitien außerhalb des Alltags angeboten. In einem überschaubaren zeitlichen Rahmen, meist eine Woche, und in einem Einkehrhaus, einem Kloster beispielsweise. Das hat seinen Sinn. Hier findet man – frei von den Geschäften des Alltags - Zeit und Ruhe, um unter fachkundiger Anleitung eines Exerzitienleiters den Glauben einzuüben, um zu lernen, wie man meditiert oder wie man sich einen biblischen Text erschließen kann. In dieser Zeit macht man nichts anderes, als genau dies zu üben.

 

Exerzitien im Alltag – Alltagsexerzitien

Viele Menschen können oder wollen aber nicht ihren häuslichen Alltag verlassen. Deshalb wurden die „Exerzitien im Alltag“ (auch „Alltagsexerzitien“ genannt)  eingeführt. Einmal im Jahr – in der Regel in der Passions – oder Adventszeit – werden in manchen Gemeinden geistliche Übungen zu einem besonderen Thema angeboten. In der Kirchengemeinde Altenstein biete ich Exerzitien im Alltag in der Regel in den Wochen vor Ostern an. 

 

Wie laufen Alltagsexzitien ab?

In der Regel wird im Gemeindebrief, den gottesdienstlichen Abkündigungen und in der regionalen Presse zu Exerzitien mit Angabe des Themas eingeladen.Wer sich angesprochen fühlt, meldet sich an, zunächst unverbindlich. Beim ersten Treffen wird das Thema genauer vorgestellt. Die weitere Teilnahme ist dann allerdings verbindlich.


Die Teilnehmer einer Exerzitien - Gruppe treffen sich einmal in der Woche. Nach einem Gedanken - und Erfahrungsaustausch zur vergangenen Woche erfolgt die Einführung in das neue jeweilige Thema des Tages. 

Die „Hauptarbeit“ aber wird unter der Woche, zwischen den Gruppentreffen, getan. 

In den Wochen der Exerzitien ist jeder Teilnehmer verpflichtet, sich täglich eine Zeit für Andacht und Gebet im Alltag zu reservieren, um sich mit dem geistlichen Thema zu beschäftigen. Was am Anfang wie eine lästige Pflicht wahrgenommen wird, entwickelt sich mit der Zeit zu einer heilsamen Gewohnheit, zu einer spirituellen Oase.Viele Teilnehmer erfahren im Verlauf der Exerzitien die tägliche „stille Zeit“ als eine willkommene und wohltuende Unterbrechung des Alltags. So helfen die Exerzitien, zu einem wohltuenden Rhythmus von Beten und Arbeiten zu finden.Dieser „Wahrnehmungs - und Bewusstseinswandel“ ist Teil der Geistlichen Übung.

 

Meist gibt es für die Exerzitien im Alltag ein „Exerzitienbuch“, das für jeden Tag eine Andacht, Impulse zum Nachdenken, ein Lied oder einen Schrifttext zum Thema vorsieht.Es wird zu Beginn der Exerzitien am ersten Abend ausgegeben.

Dieses Buch ist eine wertvolle Hilfe. Ich muss mir nicht erst die Texte zusammensuchen. Ich habe alles griffbereit, was ich brauche, um die vorgesehene tägliche „stille Zeit“ zu füllen.


Der Exerzitienleiter steht dem Teilnehmer, dem Exerzitanten, natürlich auch unter der Woche bei Fragen oder Problemen zur Seite. Alles, was in der Gruppe oder im persönlichen Einzelgespräch gesagt wird, steht unter der Schweigepflicht.  


Die Exerzitien im Alltag schließen in der Regel mit einem gemeinsamen Gottesdienst, der innerhalb der Gruppe am letzten Gruppenabend gefeiert wird.


              

Ausführlich informiert auch die Homepage des Kirchenkreises Bayreuth über Exerzitien im Alltag - einfach hier klicken!