Gott nahe zu sein ist mein Glück.   Psalm 73,28



Die rettende Einkehr - zum 3. Sonntag nach Trinitatis

Damit hatte er nicht gerechnet, der kleine, verhasste Mann: dass einer stehen bleibt und zu ihm aufsieht. Normalerweise schauten die Menschen auf ihn herab, kleinwüchsig, wie er nur mal war. Verachtung lag dann stets in ihrem Blick - nicht ganz zu Unrecht. Der kleine Mann hatte es faustdick hinter den Ohren. Ich spreche von Zachäus, dem obersten Zolleintreiber in Jericho. Die Menschen reinlegen, ausbeuten, über den Tisch ziehen - darin war er ganz groß, das konnte er gut. Kein Wunder, dass ihn keiner mochte. Nun aber war ihm zu Ohren gekommen, dass Jesus in die Stadt kommen sollte. Deshalb stieg er auf den Baum. Von dort oben wollte er den sehen, der in aller Munde war, wollte ihn beobachten, ohne selbst gesehen zu werden. Das Blätterwerk sollte ihn schützen. Doch damit hatte er nicht gerechnet, dass Jesus stehen blieb. Direkt unter dem Baum und zu ihn aufschaute. „Steig schnell herunter, Zachäus, ich muss heute in deinem Haus einkehren!“ Ich spüre die Dringlichkeit, die in den Worten liegt. Und Zachäus spürte wohl auch: diese Einkehr duldet keinen Aufschub! Schnell stieg er  vom Baum und bewirtete Jesus. „Ich muss heute bei dir einkehren!“ Warum diese Dringlichkeit? Vielleicht, damit im Leben des Zöllners endlich die heilsame Wende eintreten kann? Am Ende der Geschichte fasst  Jesus seinen Auftrag mit den folgenden Worten zusammen: „Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und selig zu machen, um zu retten, was verloren ist.“  Es ist die rettende Liebe Gottes, die bei ihm einkehrt. Die Liebe Gottes, der nicht will dass der Sünder verloren geht, sondern dass er sein Leben ändert, dass er sich bekehrt und lebt.  (Hesekiel 33,11)  Sie will auch bei uns einkehren. Sie macht uns Mut, das zu tun, was notwendig ist, also, was die Not wendet.  Sie ermutigt uns, wie Zachäus aus der Deckung zu gehen, vom Baum herunterzusteigen, um ihn ins Leben hereinzulassen: den, der gekommen ist, um zu retten, was nach den Maßstäben der Welt verloren ist. 


Kommt her! Zum 2. Sonntag nach Trinitatis
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ Das is eine Einladung, die Mut macht. Wir lesen sie auf der kleinsten der drei Glocken, die in unserer Kirche hängen. Wir hören sie als Wochenspruch für den kommenden Sonntag. Jesus sagt: „Kommt her zu mir!“ Wer ist angesprochen? Ich denke, das sind wir alle, ohne Ausnahme. Alle, denen etwas auf der Seele liegt, die enttäuscht sind, verbittert, traurig oder einsam. Wenn die kleine Glocke läutet, erinnert sie mich an diese Einladung Jesu. Sie kommt von Herzen, von seinem Herzen. Sie kommt von einem, der unser Seufzen hört, der unseren Kummer versteht, bei dem wir die Last abladen können. Die Glocke weist mit ihrem Klang hin auf ihn. Christus sagt: „Kommt her zu mir!“ Er wartet auf uns. Gewiss nicht nur in der Kirche, aber sicher auch dort. Ein Besuch lohnt sich.