Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück (Psalm 73 Vers 28)

Mein Glaubensweg

Bei einer Rückschau auf meinen geistlichen Weg konnte ich eine überraschende Entdeckung machen: “mein” Glaube hat sich immer wieder geändert. Er ist mit mir gewachsen, immer wieder konnte ich neue Seiten an ihm entdecken oder ich musste mich von alten Überzeugungen “verabschieden”. So kann ich sagen: das Beständige an meinem Glauben war und ist der Wandel. Der Glaube ist vielseitig. Ob mein Elternhaus an dieser Überzeugung “schuld” ist? Dort waren beide Konfessionen, die evangelische und katholische “Lesart” des christlichen Glaubens, unter einem Dach vereint. Deshalb ist es mir leicht gefallen, schon früh über den konfessionellen Tellerrand hinauszublicken. Der Glaube ist keine Theorie! Glaube und Glaubwürdigkeit hängt mit den Menschen zusammen. Das habe ich früh gelernt. Es gibt Menschen, die machen neugierig auf den Glauben, den sie leben - weil sie glaubwürdig sind. Da spielen weder “Taufschein” noch “das Gesangbuch” eine Rolle. Das ist mir früh bewusst geworden. Taizé - Gottesdienste, Begegnungen mit Christen aus anderen Ländern und Kirchen, die Freude am Gesang und erste Erfahrungen als liturgischer Lektor im evangelischen Gottesdienst meiner Heimatgemeinde haben mich in meiner Jugendzeit geprägt.

In dieser Zeit habe ich auch erfahren, was lebendiges Christsein bedeutet: Glauben heißt, in Beziehung zu treten zu Jesus Christus und zum Mitmenschen. Christsein bedeutet, den Glauben zu teilen mit den anderen, den Brüdern und Schwestern im Glauben. So hat mich mein Weg in die Evangelische Michaelsbruderschaft geführt, der ich seit 2004 angehöre. Das gemeinsame Beten, aber auch das - wenigstens punktuelle - gemeinschaftliche Leben haben mir auf meinem Glaubensweg weitergeholfen. Durch die Ausbildung als Geistlicher Begleiter unter der Obhut der Michaelsbruderschaft habe ich meinen Weg zum kontemplativen Gebet gefunden. Mein gelebter Glaube gründet sich auf zwei Grundpfeilern: die Liebe zum Gottesdienst, vor allem zur Feier der Eucharistie, des heiligen Abendmahls ist die “Außenansicht”, das kontemplative Gebet die “Innenansicht” meines Glaubens. Beides gehört zusammen - Gottesdienst und Gebet. Beides durchdringt sich, ergänzt sich. Beides behält Gott und die Welt im Blickfeld. Beten bedeutet, mit Christus zu sprechen – und mit einer Antwort zu rechnen. Beten bedeutet, sich selbst und die Welt vor Gott zu bringen. Wie war ich überrascht, als ich gespürt habe, dass Gott wirklich antwortet! Wie war ich überrascht, im Gebet die heilsame Nähe Christi zu spüren. Diese Erfahrungen im Glauben sind nicht selbstverständlich. Dazu braucht es ein waches und aufmerksames Hinhören und ein offenes Herz. Gott spricht mit leiser Stimme. Er begegnet im Wort der Schrift, im Mitmenschen, im Sakrament. Er ist überall. Paulus sagte: “Fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir…” (Apostelgeschichte 17,27-28). Wie oft aber wird er übersehen, überhört! Glauben bedeutet, hinhören – und warten können auf die Antworten Gottes. Das habe ich gelernt. Ich habe gelernt, dass man auch “ohne Worte” beten kann.Das ist das kontemplative Gebet. Darunter verstehe ich ein aufmerksames Hören auf Gottes Stimme, der zu mir in meinem Innersten spricht. Ich muss lernen, zu schweigen und zu warten. Ich darf ihn nicht niederreden, auch nicht mit frommen Worten. Deswegen lasse ich die Worte in der Kontemplation weg. Einfach nur da sein vor Gott – (m)eine intimste Art, zu beten. unterhalb von Bild und Beschreibung