Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück (Psalm 73 Vers 28)

Predigten im März 2017




Essen vom Brot des Lebens

Predigt über Johannes 6, 55 – 65 am Sonntag Lätare 

Jesus sagte: Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte. Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? Da Jesus aber bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Nehmt ihr daran Anstoß? Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war? Der Geist ist's, der da lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben. (Lutherbibel 2017, herausgegeben von der Deutschen Bibelgesellschaft) 

 

Grundnahrungsmittel mit vier Buchstaben! Wer regelmäßig Kreuzworträtsel löst, weiß genau, welches Wort nun in die Kästchen senkrecht oder waagrecht einzutragen ist: Brot. In diesem Wort lässt sich zusammenfassen, was wir zum Leben brauchen. Zum Überleben. Nicht nur die vielfältigen Brotsorten sind wohl damit gemeint, die wir heute knusprig frisch gebacken beim Bäcker kaufen können. Brot meint alles, was ich zum Leben brauche. So erklärt uns das Martin Luther in seiner Auslegung zur vierten Vaterunser-Bitte im Kleinen Katechismus. Auf die Frage: „Was heißt denn tägliches Brot?“  antwortet er:  „Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“ Das alles lässt sich in dem einen Wort mit vier Buchstaben zusammenfassen. Das alles steckt im Grundnahrungsmittel mit drin. Danach sehnen wir uns, wenn wir um das tägliche Brot bitten. 

 

Und noch etwas schärft uns der Reformator ein: wie wir es empfangen sollen, wie wir unser tägliches Brot annehmen sollen. Dankbar sollen wir es aus der Hand des Schöpfers annehmen. Denn: „Gott gibt mir Brot und Wasser nicht darum, dass ich essen und trinken soll wie ein Pferd oder Esel, sondern dass ich aus einer solchen leiblichen Gabe seine Güte erkennen und mich derselben auch in andern Nöten getrösten soll.“ 

 

Brot – in diesem Wort verbirgt sich alles, was ich zum Leben nötig habe. Wer Brot genug hat, muss nicht den kommenden Tag fürchten. Wer Brot genug hat, vergisst schnell, wie unangenehm ein knurrender Magen ist. Wer Brot genug hat, kann sich glücklich schätzen. Er hat alles, was er zum Leben braucht. Ein Leben ohne Angst. Ein Leben, das seinen Namen verdient. Kein Hunde-Leben. Ein menschenwürdiges Leben. 

 

Jesus hat dem Volk solch Brot gegeben. Im Johannes-evangelium wird davon erzählt, wie fünftausend Menschen von fünf Gerstenbroten und zwei Fischen satt geworden sind. Kein Wunder, dass ihn die Menschen deshalb zum König machen wollten. Unter so einer Herrschaft lässt sich’s leben. Niemand müsste mehr Hunger leiden. Die beste Voraussetzung für ein blühendes Leben im Land. Diesen Jesus möchte man gerne in die Pflicht nehmen. Deshalb entzieht er sich ihrem Zugriff. Er geht weg. Zieht sich zurück. Es heißt sogar: er entwich. Auf einen Berg. Er allein. Jesus will nicht zum Brot - König gemacht werden. Die Menschen haben nicht begriffen, was Jesus ihnen mit diesem Wunder zeigen wollte. Das Brot, das Jesus in Hülle und Fülle ausgeteilt hat wird zum Zeichen, zum Hinweis auf ihn selbst. Jesus ist der, der das wahre Leben schenkt: ein Leben, nach dem wir uns sehnen. Ein Leben, das über die Absicherungen des Alltags hinaus geht. Ein Leben geborgen und ohne Angst. Jesus Christus sagt: „ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ 

 

Im Evangelium wird das Brot, das Jesus austeilt, zum Zeichen. Jesus ist das Brot des Lebens. Er sagt damit: Ohne Brot würdet ihr verhungern. Ohne mich werdet ihr verkümmern. Der Mensch lebt nicht nur vom Brot. Er lebt auch von der Liebe und Zuwendung, die er im Alltag erfährt. Menschen, die keine Liebe erfahren, gehen ein, trocknen aus. Der Name Jesus bedeutet: Gott rettet. Er rettet die Menschen vor dem Untergang. Exemplarisch ist das geschehen am Volk Israel. Gott hat es aus der Verbannung geführt. Gott hat es am Schilfmeer vor den Soldaten des Pharao gerettet. Gott hat es in der Wüste vor dem Verhungern durch Wachteln und Manna gerettet. Gott hat seinem Volk ein Zuhause im Gelobten Land geschenkt. So zeigt Gott an einem kleinen politisch völlig unbedeutenden Land, was er mit dem Menschen schlechthin vorhat. Mit allen Menschen. Er will sie retten. Er will ihnen das Leben in Fülle schenken. Ein Leben will er schenken, das weit hinaus geht über die materielle Absicherung, über Essen und Trinken, Haus und Hof und so weiter. Die Israeliten haben das nicht begriffen. Deshalb verbirgt sich Jesus vor ihnen. 

 

Der Name Jesu wird  zum Inbegriff des Lebens, das Gott mir schenken will. Ein Leben, in dem ich zur Ruhe komme, in dem ich frei bin, frei von der Angst, zu kurz zu kommen, frei vom Misstrauen gegenüber dem Nächsten, frei zur Liebe, die ohne Falsch ist. 

 

Allerdings macht es Jesus den Menschen nicht einfach an ihn zu glauben, zu ihm zu kommen, sich von diesem Brot des Lebens abgeben zu lassen. Seine Worte sind zweideutig und missverständlich. „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der  bleibt in mir und ich in ihm.“ Eine harte Rede ist das. Auch die engsten Jünger sind erschrocken. Nicht wenige haben sich deshalb von Jesus abgewandt, haben ihn stehen lassen und sind nach Hause gegangen. Sie können nichts mit solchen Worten anfangen. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der wird leben!

 

Ich muss bei diesen Worten Jesu an das Heilige Abendmahl denken. Ich denke daran, mit welchen Worten  Brot und Wein am Altar gesegnet werden. „Nehmet und esset, dies ist mein Leib. Nehmt und trinket, dies ist mein Blut, das für euch vergossen wird, zu Vergebung der Sünden.“ Ich denke daran, welche Hoffnungen ich dann an dieses Stück Brot und an diesen Schluck Wein knüpfe, den Gaben, die ich vom Tisch des Herrn empfange: es ist die Hoffnung auf Leben und Seligkeit, die Christus mir schenken will. Jetzt beginne ich auch zu ahnen, warum ich diese Worte am Sonntag Lätare höre, weshalb sie Grund zur Freude für mich sind. Die Worte Jesu – auf einmal sind sie nicht mehr abstoßend, fremd, unheimlich. Sie werden für mich zu Worten des Lebens. „Mein Leib. Für euch dahingegeben! Mein Blut. Für euch vergossen!“ sagt Jesus. Seine ganze Lebensgeschichte verbirgt sich hinter diesen Worten. Seine Lebensgeschichte ist eine Liebesgeschichte. Eine Liebesgeschichte ist oft auch eine Leidensgeschichte. Vor allem, wenn Menschen Liebe zurückweisen.  Wenn die Liebe aber stark genug ist, lässt sie sich davon nicht zurückschrecken. Sie bleibt beharrlich. Sie verfolgt ihren Weg, um ans Ziel zu kommen. Es ist der Weg ans Kreuz, den Jesus geht. Sein Leiden. Sein Sterben. Seine Auferstehung. Dass Jesus diesen Weg auch für mich gegangen ist – und dass er mich selbst meint, dass er für mich gestorben ist und dass er mich auferwecken wird, dass er mich im Tod auffangen und in das Leben der Auferstehung tragen wird – das verbinde ich alles mit den Worten: mein Leib - für euch gegeben und mein Blut - für euch vergossen. 

 

Im Heiligen Abendmahl bekomme ich einen Vorgeschmack auf das Leben das noch aussteht. Das ist in der Tat für mich ein Grund zur Freude. Ich gehe dem Leben entgegen, auf dem nicht mehr die Schatten liegen, die mein Leben oft dunkel und traurig erscheinen lassen, ich gehe dem Leben entgegen, das nicht mehr zur Qual wird durch Sorgen, Nöte und Krankheiten, das nicht mehr vom Zweifel durchlöchert ist, das nicht mehr vom Tod abgebrochen wird – früher oder später. Dieses Leben steht noch aus. Aber Christus will es mir schenken. Brot und Wein vom Tisch des Herrn sind dafür das Pfand der Liebe, das mir gegeben wird. Ich darf es in Händen halten und genießen und mich freuen. Es ist ein Unterpfand des Lebens, das mir geschenkt wird. 

 

Lätare – freut euch! Freut euch an der Freundlichkeit Gottes, die wir zu spüren bekommen, die wir zu sehen und zu  schmecken bekommen. Sie hat Gestalt angenommen in Jesus Christus, dem Brot des Lebens. Wie gut, dass von diesem Brot genügend da ist für alle, die hungrig sind  nach diesem Leben in Fülle. Sie sollen satt werden. Amen.  

Pfarrer Stefan Köttig, Altenstein                    





Wenn Steine zu sprechen beginnen  

Passionsandacht am 21.3.2017 in Pfarrweisach zu den Engeln an der Geißelsäule und dem Kreuzengel. 


In diesen Wochen betrachten wir das Leidensportal der Schlosskirche in Torgau. Es ist ein besonderes Tor. Es ist ein ganz besonderes Portal – nicht nur, weil es so kunstgeschichtlich interessant ist. Das sicher auch. Vor allem aber, weil an diesem Ort etwas außergewöhnliches geschieht. Wir erleben, wie Steine zu sprechen beginnen. Sie erzählen eine Geschichte, sie mahnen und sie trösten. Sie erinnern an eine unbequeme Wahrheit. Wenn du in die Kirche eintreten willst, wenn du das Heiligtum betreten willst, wenn du Gott begegnen willst in Wort und Sakrament, kannst du der bitteren Wirklichkeit des Leidens nicht ausweichen. Du musst daran vorbei gehen. Zugegeben: du kannst die Augen schließen, kannst dich vorbeidrücken, kannst wegsehen. Aber dann entgeht dir etwas Wesentliches. Du musst dich der Geschichte stellen, die hier erzählt wird. Du musst es an dich heranlassen, was die bildgewordenen Steine dir erzählen. Was sie sagen, will Gestalt annehmen,  will die Seele berühren, will dich berühren. Weil für dich geschehen ist, was hier gezeigt wird. 

 

Vorgestellt wird der Leidensweg Jesu. Die Steine, die hier zu sprechen beginnen, nehmen die Gestalt kindlicher Engel an. Vielleicht berühren Sie deshalb unsere Seele. Kinder sind zart, zerbrechlich. Kinder brauchen Schutz und Zuwendung. Kinder verlangen nach Zärtlichkeit. Aber wir sehen keine Kinder. Wir sehen Engel, die uns in der Gestalt von Kindern begegnen. Das ist ein Unterschied. Die Engel stellen den Kontakt her zu einer Welt, deren Zugang für Erwachsene mit jedem Jahresring, der sich um die Seele legt, erschwert wird – ich meine die göttliche, die himmlische Sphäre. Damit befassen wir uns nicht so gerne. Erwachsene Menschen sind häufig Realisten. Die bitteren Erfahrungen des Alltags beherrschen uns. Träumer haben keine Chance. Es zählen Fakten. Es zählen Ergebnisse. Es zählt der Erfolg. Da ist kein Platz für Engel. Aber dennoch sind sie da. Sie erzählen die Geschichte Gottes, sie überbringen Botschaften – am liebsten tragen sie ihre Nachrichten hinein in die Träume der Menschen, weil dort der Zugang zur Seele meist offen liegt, weil dort der Mensch am verletzlichsten, aber auch am empfänglichsten ist für die besondere Welt, deren Existenz er im Alltag gerne und häufig verleugnet oder einfach vergisst. 

 

Betrachten wir nun den Engel an der Geißelsäule. Es scheint, als ob er sie umarmt, sich an sie schmiegt. Wir vermuten keine Fessel. Verträumt wirkt der Engel. Die Geißel ist versteckt, auf dem ersten Blick kaum zu erkennen, scheint eins zu sein mit der Säule. Wie wirkt der Engel auf den Betrachter? Verklärt oder traurig? Das zu entscheiden bleibt dem überlassen, der stehen bleibt, der sich dem Bild und seiner Botschaft stellt. Der Engel ist ein Platzhalter, ein Repräsentant. Eigentlich müsste hier ein anderer stehen – der Herr, den man die Dornenkrone aufs Haupt drückt. Aber der hat das Leiden bereits überwunden. Der Engel tritt an seine Stelle, vielleicht um die Seele des Betrachters daran zu erinnern: was hier geschehen ist, hat bleibende Gültigkeit, ist kein einmaliges Geschehen, das der Vergangenheit angehört und dem Vergessen preisgegeben ist. Was hier geschehen ist, hat Bestand. Es ist auch für dich geschehen. Daran erinnert dieser Engel an der Geißelsäule. Die Geißelung ist bereits der erste grausame Akt der Hinrichtung. Der Verurteilte wird geschlagen. Dazu verwenden die Soldaten des Pontius Pilatus eine Peitsche mit scharfen Bleispitzen. Der Schmerz, die Verletzungen, die aufgerissene Haut – ein Vorgeschmack dessen, was der Verurteile am Kreuz zu erwarten hat. Was an der Geißelsäule geschieht, ist Sterben, ist Folter in Etappen. Ist Einsamkeit, Verrat und Verleugnung. Der Hahn auf der Säule erzählt seine eigene Geschichte dazu. 

 

Gegenüber – auf der anderen Seite des Portals – steht ein anderer Engel. Der sieht den Betrachter direkt in die Augen – wie gesagt, wenn man sich de Blick stellt. Aber dann kann man ihm auch nicht ausweichen. Das Kreuz trägt er in inniger Umarmung. Auch er tritt an die Stelle des Herrn, erinnert dabei an den, der das Kreuz nach Golgatha längst getragen hat. Der direkte Blick scheint zu sagen: er hat es auch für dich getragen. Fast habe ich den Eindruck, er möchte mir das Kreuz wie bei einem Staffellauf in die Hand drücken. Und schon berührt auch er meine Seele, rückt das Vergangene hinein in meine Gegenwart und erlaubt mir die Frage: welches Kreuz habe ich zu tragen? Über dem Kreuz befestigt ist die Tafel mit der berühmten Inschrift. Pilatus hat sie anfertigen, beschriften und anbringen lassen. Auch das war übliche Praxis. Auf der Tafel sollte man lesen können, wofür der Verurteilte büßt. Vier Buchstaben entziffern wir. Das ist eine Abkürzung, wie man sie heute flink ins Smartphone tippen könnte: INRI. Vier Buchstaben, ursprünglich als Provokation gemeint, sind für uns zum Bekenntnis und zur Heilsbotschaft geworden: Jesus von Nazareth – König der Juden. Jesus von Nazareth – dein König, sagt mir der Engel heute und macht eine persönliche Botschaft daraus. Da möchte man mit dem bekannten Adventslied bekennen: „O wohl dem Land, / o wohl der Stadt, / so diesen König bei sich hat. / Wohl allen Herzen insgemein / da dieser König ziehet ein...“ Auf deinen König weist dich der Engel hin. Dein König ohne Krone und Zepter dafür mit einem Dornenkranz und einem Kreuz ausgestattet. 

 

In der Welt der Träume symbolisiert der König Macht und Stärke. Unser Engel jedoch  hält uns das Kreuz vor Augen. Es erinnert zunächst an das Sterben und Leiden des Königs, der doch die Liebe in Person war. Und der auf diese Weise die letzte Macht überwindet, die uns gefangen nimmt – den Tod. Deshalb ist es heilsam für uns, wenn wir uns daran erinnern, dass wir dem Fest der Auferstehung und des Lebens entgegen gehen. Wir feiern den Sieg Christi über den Tod, über die Mächte der Zerstörung. Wir feiern die Auferstehung und das Leben. So wandelt sich auch das Kreuz in seiner Bedeutung. Aus dem Symbol des Scheiterns wird das Zeichen des Lebens. Ein Siegeszeichen. Auch dein Leiden ist überwunden, sagt es mir. Und wieder berührt mich der Engel. Er erinnert daran, dass das alles für mich geschehen ist und ebenso für dich, für den Betrachter, der mit mir zusammen auf dem Weg ist, auf dem Weg in das Leben. 

 

 

Die beiden Engel sind Boten dieses Königs, sie erzählen, sie mahnen und sie berühren. Sie tragen eine berührende Botschaft in mein Leben. Sie verbinden mich mit dem Geschehen, das vor zweitausend Jahren auf Golgatha seinen Höhepunkt fand und lassen mich wissen: auch du hast deinen Platz, deinen Ort, in diesem Torbogen. Der hier verraten und verleugnet wurde, der hier gegeißelt wurde und dem man die Dornenkrone und das Kreuz auf die Schultern gedrückt hat, der tritt an deine Seite, der ist dir nahe in deinem Leiden, in deiner Ohnmacht, in deinem Sterben. Er führt dich ins Leben. Weil er dich liebt. Amen. 

Pfarrer Stefan Köttig, Altenstein


Ein Scherflein genügt – was Glaube bedeutet.

Predigt über Markus 12, 41 – 44 am Sonntag Okuli in Altenstein und Hafenpreppach (19.3.2017) 

 Stellen Sich doch mal das vor. Sie sitzen im Gottesdienst, gerade geht der Klingebleutel an Ihnen vorbei. Diskret legen Sie Ihre Gabe ein. „Na, etwas mehr könnten Sie schon einlegen!“ sagt der Mann, der neben Ihnen sitzt. „Sie verdienen doch sicher nicht schlecht, so wie Sie aussehen! Da könnten Sie doch leicht ein paar Scheine locker machen!“ sagt er so laut, dass sich die andern umdrehen. Wie peinlich! Ich würde rot werden und ich ärgern. Was geht denn den das an, was ich einlege? Woher kennt der meine finanziellen Verhältnisse? Unverschämtheit! Heute hören wir eine Geschichte, in der das Gegenteil geschieht. Jesus lobt die kleine, die unbedeutende, die geringfügige und kaum erwähnenswerte Gabe einer bettelarmen Frau über den Klee. Die Gaben der reichen Großspender finden kaum eine lobende Erwähnung. Hören wir zunächst einmal, was uns Markus in seinem Evangelium berichtet:

  

Und Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das macht zusammen einen Pfennig. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte. (Lutherbibel 2017, herausgegeben von der Deutschen Bibelgesellschaft) 

  

In Jerusalem sind die Spenden weniger diskret als bei uns im Gottesdienst abgegeben worden. Jedenfalls hab ich das so gelesen. Der Gotteskasten, vor dem sich die Geschichte ereignet,  war eigentlich das Schatzhaus des Tempels. Es befand sich im Vorhof der Frauen. Dort befanden sich die Opferstöcke für Geldspenden. Daneben standen die Priester.  Wenn nun jemand etwas spenden wollte, so hat er dem Priester den Betrag genannt, der das laut wiederholt hat. So hat jeder erfahren, wie großzügig der Spender war. Welches Gesicht die Priester gemacht haben, als die Witwe ihre zwei Kupfermünzen abgegeben hat? Ob man sich geschämt hat, so einen Minimalbetrag abzukündigen?   

  

Aber da tritt Jesus auf den Plan. „Diese Witwe hat mehr eingelegt, als ihr alle!“ ruft er aus und stößt die Reichen vor den Kopf. Er begründet seine Aussage, noch bevor sie protestieren: „Ihr habt von eurem Überfluss eingelegt. Die Witwe hat alles hingegeben was sie hat.“ Die Priester hat Jesus sicher verärgert. Jesus ist schlecht fürs Geschäft, wie es scheint. Schließlich braucht man die Spenden. Markus erzählt diese Geschichte aber nicht, um die Spendenpraxis zu thematisieren –  weder die des Tempels, noch unsere eigene.   

  

Tatsächlich ist die Witwe ziemlich unvernünftig – jedenfalls nach unseren Maßstäben. Wenn sie alles hergibt und nichts mehr hat, womit soll sie sich dann über Wasser halten? Wenn sie dazu noch kinderlos ist und keine Verwandten hat, zu denen sie gehen kann, bleibt ihr schließlich nur noch die Bettelei übrig.  Die arme Witwe aus unserer Geschichte  wird zum Vor -  Bild dessen, was Glaube heißt. Es geht in der Geschichte gar nicht um die Höhe und Geringfügigkeit einer Spende, sondern darum, wo wir Halt und Sicherheit finden in unserem Leben. Es geht darum, was unsere ganze Existenz trägt und hält. Die Witwe gibt alles, was sie hat. Sie vertraut darauf, dass Gott sie ernährt, so wie der himmlische Vater die Lilien auf dem Feld ernährt – um es mit einem Vergleich aus der Bergpredigt zu sagen. Deshalb bricht Jesus in hellem Jubel aus, als er ihr Opfer sieht. Er sieht ihren Glauben, ihr Vertrauen. 

  

Wir hören die Geschichte vom Scherflein der Witwe in der Passionszeit. Wir gehen auf den Karfreitag zu. Wir denken an den Leidensweg Jesu.  Jesus verzichtet im Leben auf alle Absicherungen. Er lässt sich tragen von Gott, seinem Vater – im Leben und im Sterben. Vater, nicht wie ich will, sondern wie du willst – betet er voll Vertrauen im Garten Gethsemane. Vater – ich lege meinen Geist in deine Hände. Mit diesen Worten stirbt er am Kreuz. 

  

Wo finden wir unsere letzte Sicherheit, im Leben und im Sterben? Setzen wir wirklich alles auf Gott? Oder vertrauen wir nicht lieber doch noch dem Ass im eigenen Ärmel, den Joker, den wir bei Bedarf ziehen? Schlafen wir nicht besser in dem Wissen, einen Notgroschen für Krisenzeiten zu haben, auf den man zurückgreifen kann? Halten wir uns nicht doch lieber irgendwo ein Hintertürchen auf? Die Witwe wird zum Vorbild, weil sie Gott liebt und vertraut, restlos und ohne Absicherungen. Sie vertraut darauf, dass Gott sie am Leben erhält, dass er für sie sorgt. So wie die Vögel am Himmel, die vom himmlischen Vater ernährt werden. Deshalb kann sie alles hingeben was sie hat. Auch, wenn es nur ein paar wertlose Münzen sind. Nicht aus Berechnung, sondern aus Liebe gibt sie, was sie hat. 

  

Die Geschichte vom Scherflein der  Witwe entbindet uns nicht vom Rechnen und Planen, nicht vom genauen Kalkulieren und Sparen, nicht vom klugen Haushalten. Die Geschichte befreit uns aber davon, im Geld das Heil und die letzte Sicherheit zu finden – für unsere Kirche, für unsere Gemeinde und für uns selbst. 

  

Ich meine, dass wir nicht vergessen sollten, was uns zur Kirche und damit zur Gemeinschaft der Kinder Gottes macht. Es ist nicht das Geld auf dem Konto, das uns reich macht. Es ist  das Gottvertrauen, von dem wir leben. Es ist das tiefe Vertrauen, das die letzte Sicherheit nicht bei dem findet, was wir einnehmen und verwalten und wieder ausgeben oder verlieren können. Es ist das Vertrauen zu dem, von dem wir unser Leben haben, der es schützt und trägt und erhält. Es ist das Vertrauen zu Gott, der auch für seine Gemeinde sorgt, damit sie nicht untergeht. 

  

Muss es nicht Sicherheiten geben? Gewiss. Auch Jesus hat sich abgesichert. Die Bibel erzählt, was Jesus getan hat, um nicht zerrieben zu werden von den Herausforderungen, die das Leben an ihn gestellt hat, den Anfeindungen, gegen die er sich wehren musste und den Hoffnungen, die man auf ich gesetzt hat. Jesus hat sich immer wieder einmal von seinen Jüngern zurück gezogen, er hat die Gemeinschaft immer wieder verlassen, um der Einsamkeit zu beten – manchmal ganze Nächte durch, in der Wüste, auf einem Berg oder im Garten Gethsemane. Es war diese Lebens – und Gebetsgemeinschaft mit Gott, die ihm Kraft und Halt und Sicherheit gegeben, die ihn getragen hat. Jesus hat darauf vertraut, dass Gottes Hand ihn hält und trägt. Seine Jünger hat er immer wieder dazu ermutigt, ebenfalls in diesem Vertrauen zu leben. Vor seiner Verhaftung fragt er sie: „Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals.“ 

  

Die Geschichte vom Scherflein der Witwe ermutigt zu diesem Gottvertrauen. Eine Gemeinde,  in der Gott mehr als dem Kontostand vertraut wird, ist tatsächlich eine reiche Gemeinde. Sie rechnet nicht mit Zahlen, sie rechnet mit der Liebe, sie rechnet mit Gott. Was für eine Herausforderung in unserer auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Gesellschaft. Wir sollten sie annehmen. Wir sollten leben und glauben und vertrauen. Amen. 

  

Pfarrer Stefan Köttig, Altenstein 




Nicht alle Zeichen gefallen! Predigt über Matthäus 12,38 – 42 zum Sonntag Reminiszere (2. Sonntag in der Passionszeit) 

 

Da antworteten ihm einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprachen: Meister, wir wollen ein Zeichen von dir sehen. Er (Jesus) aber antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht fordert ein Zeichen, und es wird ihm kein Zeichen gegeben werden außer dem Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein. Die Leute von Ninive werden auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. Die Königin vom Süden wird auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo. (Lutherbibel 2017, herausgegeben von der Deutschen Bibelgesellschaft) 

 

„Gib uns ein Zeichen!“ Das fordern die Schriftgelehrten von Jesus. Sie sprechen damit vielen aus der Seele. Die Sehnsucht nach einem Zeichen, mit dem Gott eine Antwort auf die vielen Fragen seiner Frommen gibt und mit der so leicht alle Zweifel aus der Welt geschafft werden könnte - wer trägt sie nicht mit sich herum. Schon die alttestamentlichen Beter haben Gott um Zeichen angefleht, besonders in Zeiten der Not - wenn der Glaube angefochten war, weil die anderen, die Ungläubigen, die Heiden oder wer auch immer stärker waren, wenn Recht gebeugt worden und Glaubenstreue schwer gefallen ist. „Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen, wie Feuer Reisig entzündet und wie Feuer  Wasser sieden macht, dass dein Name kund würde unter deinen Feinden und die Völker vor dir zittern müssten...“ Mit diesem Stoßseufzer beginnt ein Bußgebet, das wir im dritten Teil des Jesajabuches finden. Schon die alttestamentlichen Beter haben sich nach handfesten Zeichen gesehnt, Zeichen Gottes, die Himmel und Erde erschüttern, die Menschen aufrütteln und sie aus dem Schlaf der Selbstgerechtigkeit reißen. 

 

Auch die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu begehren Zeichen. Ein Zeichen, mit dem sich Jesus ausweisen kann. Ein Zeichen, das ihm Recht gibt und sie - die Kritiker - davon überzeugt, dass Gott hinter allem steht, was dieser Jesus von Nazareth macht oder lehrt. Ein Zeichen, das den Glauben erleichtert oder vielmehr: ein Zeichen, das Gewissheit schenkt. So ein Zeichen wollen die Kritiker von Jesus bekommen. Irgendwie kann ich sie schon verstehen, die Schriftgelehrten. Sie üben ja ein Wächteramt aus. Was gibt diesem Jesus das Recht zu sagen : „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ Was gibt diesem Jesus das Recht, sich über den Sabbat zu stellen und Kranke an diesem Feiertag zu heilen. Was gibt diesem Mann das Recht, zu einem anderen Menschen zu sagen: „Deine Sünden sind dir vergeben!“ Da braucht es doch ein Zeichen, mit dem sich der Sohn Josefs aus Nazareth ausweisen kann. 

 

Vielleicht also deshalb die eindringliche Bitte : „Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen.“ Die Antwort, die Jesus gibt, ist barsch, abweisend. „Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben...“ erwidert er den Hütern des Gesetzes, die sich für gottesfürchtig gehalten und sich in der Schrift ausgekannt haben. Aber, wenn sie doch so belesen waren, wussten sie dann nicht, wie wenig Sicherheit solche Zeichen schenken und wie wirkungslos sie eigentlich sind? Kannten sie nicht die Geschichte vom ägyptischen Pharao der die Israeliten um keinen Preis der Welt ziehen lassen wollte. Die Bibel erzählt doch, wie wenig er sich von  Zeichen hat beeindrucken lassen! Weder Hagel, noch Heuschrecken, weder Seuchen, Dunkelheit noch Ungeziefer  und so weiter haben ihn erweichen können. Erst der als ganz Ägypten um seine Erstgeborenen trauerte, wollte man keinen Hebräer mehr im Land haben. 

 

Wenn Jesus nun mit dem Finger schnippen würde und die Sonne bliebe stehen - wem wäre denn damit geholfen? Die Gegner würden klein beigeben müssen. Wer könnte bei so einem Zeichen noch widersprechen. Zähneknirschend müssten sie ihren Irrtum bekennen und die triumphierenden Blicke der Jünger aushalten, den Spott der Leute ertragen, die dann in Scharen zu diesem Jesus laufen würden, weil er der Stärkere ist. Sie würden klein beigeben müssen, aber die Faust würden sie weiter ballen, heimlich, hinter dem Rücken, in der Tasche. Ohnmächtig wären sie. Aber ihr Herz würden sie ihm nicht schenken. Sagen würden sie  vielleicht nichts mehr - aber  lieben würden sie ihn deshalb noch lange nicht. Irgendwann werden wir ihm auf die Schliche kommen, würden sie sich sagen. Irgendwann bekommen wir heraus, mit welchen Tricks er arbeitet. 

 

Wenn Jesus nun mit dem Finger schnippen würde und das Wasser würde aufwärts fließen, was für ein Glaube wäre die Folge. Einer, der sich auf Macht und Furcht gründet. Da ist die Kraft des Wundertäters, der eben nur zu schnippen braucht und alles geschieht so, wie er es will. Und da ist die Furcht des Schwächeren, der sich den Launen dieses Wundertäters beugen muss. Auf solche Zeichen verzichtet Jesus. Weil Jesus Gottes Herrschaft zu den Menschen bringt. Aber diese Herrschaft lebt von der Liebe und der Freude über Gottes Nähe. Sie wird nicht auf den Rücken der Schwächeren ausgetragen und sie weidet sich nicht an der Furcht der Unterlegenen. 

 

Dennoch: ein Zeichen sollen sie haben, die Schriftgelehrten und Pharisäer und alle, die nach Zeichen fragen. Auch ohne mit den Fingern zu schnippen stellt Jesus die Welt auf den Kopf. Jesus spricht vom Zeichen des Jona. Das ist euer Zeichen! sagt er und erinnert an die Geschichte aus dem Alten Testament, das voll von Zeichen und Wunder ist. 

 

Da war die Stadt Ninive. Dort lebte, wie wir im Jonabuch nachlesen können, ein böses und abtrünniges Geschlecht. Und da war Jona, ein Mann Gottes. Dieser Prophet sollte Ninive das Todesurteil verkünden. Widerwillig macht Jona sich auf den langen Weg. Während der Schiffsreise geht Jona über Bord. Er wird von einem Seeungeheuer, einem riesengroßen Fisch, verschlungen und nach einiger Zeit ans Land ausgespien. So erreicht er Ninive und beginnt, vom nahen Gericht zu sprechen. Da geschehen Zeichen und Wunder: der König und seine Untertanen kleiden sich in Sack und Asche. Sie bereuen. Sie kehren sich ab von ihrem früheren Wandel und finden Gnade vor Gottes Augen. Das Strafgericht bleibt aus. Jona muss einsehen, dass sein Auftrag kein Vollstreckungsbefehl war, sondern dass er zur Busse rufen sollte. Daran hat er zu kauen. Es bleibt offen, ob er sich mit seiner Rolle zufrieden gibt. 

 

Wenn Jesus vom Zeichen des Jona spricht, dann denkt er an seinen Weg, an seine Bestimmung, an seinen Auftrag. Er kommt, um die Menschen zurückzugewinnen. Er will sie für Gott zurückgewinnen, ähnlich wie Jona die Einwohner Ninives durch seine Predigt für Gott zurückgewonnen hat. Das bedeutet es Buße zu tun: dass ich mich für Gott zurückgewinnen lasse, weil Gottes Herrschaft anbricht. 

 

Jesus will die Menschen nicht mit Kunststücken beeindrucken und sie auf diese Weise unter Gottes Herrschaft locken. Er will, dass sie ihr Herz öffnen und sich ganz von Gottes Willen bestimmen lassen. Er will, dass sie wie die Männer und Frauen von Ninive erkennen, wie weit sie vom wahren Leben, von der wahren Liebe, vom wirklichen Frieden entfernt sind. Sie sollen erkennen, dass sie ihr Leben verfehlt haben, weil  sie sich alle vom Gott des Lebens entfernt haben. Und er will, dass sie offen werden, für das Friedensangebot, dass Gott den Menschen macht. Er lädt sie ein. Er macht ihnen Mut, ihr altes, selbstsüchtiges Leben zu verlassen, um als Kind Gottes ein neues Leben zu beginnen. 

 

Jesus schnippt nicht mit dem Finger und stellt die Welt dennoch auf den Kopf. Um glaubhaft zu wirken, stellt er sich nicht über die Menschen, sondern unter sie. Er dient ihnen. Er sagt: wer unter euch der erste sein will, der sei euer aller Diener. Jesus lässt sich verhaften, verspotten und foltern. Er trägt sein Kreuz nach Golgatha, lässt sich ans Holz nageln und stirbt. Er wird begraben und ruht im Schoss der Erde. So gibt er den Menschen ein Zeichen. Es ist das Zeichen des Jona, das Demut an die Stelle von Hochmut setzt, das Liebe übt, wo andere einen ihre Macht und ihre Härte spüren lassen  und das  Vergebung ermöglicht, wo andere Vergeltung fordern. 

 

Lassen wir uns von diesem Zeichen ansprechen. Es ist das Zeichen unseres Gottes, der sich die Mühe macht, uns zurückzugewinnen. Es will unser Herz öffnen für die Liebe, die in Jesus Christus Gestalt angenommen hat und es will unsere Lippen auftun, damit wir diesen Gott dafür danken und ihn loben können. So wie die legendäre Königin von Saba begonnen hat, den ihr fremden Gott zu loben. Sie hat eine Ahnung von der Liebe bekommen, die Gott für sein Volk empfindet. Die Königin aus dem Süden war ergriffen von der Weisheit Salomos und seiner Herrschaft. Lassen wir uns von einem andern ergreifen und begeistern: von Jesus Christus der uns den Frieden mit Gott anbietet. Lassen wir uns von der Freude anstecken, die Jesus in die Welt gebracht hat, lassen wir uns von dem Licht wärmen, das mit Jesus in die Welt gekommen ist: es ist die Freude über  diesen einen und wahren Gott, der uns erfülltes und versöhntes Leben schenken will. Es ist das Licht der Hoffnung, das keine Dunkelheit mehr auslöschen kann, weil es von Jesus Christus ausgeht. Es zeigt uns den Weg in das Leben, das Gott uns schenken will. Da brauchen wir keine anderen Zeichen mehr. Amen. 

 

 

Pfarrer Stefan Köttig, Altenstein