Pfarrer Stefan Köttig
Gott nahe zu sein ist mein Glück (Psalm 73,28)




Der Sonntag des Hinhörens - zum 5. Sonntag nach Trinitatis
„Heute ist der Tag des Zuhörens…“ verkündete vor kurzem der Moderator einer Morgensendung im Radio. Dieser Tag sollte dazu ermutigen, mehr aufeinander zu hören, aufeinander zu achten. Haben wir so einen Tag wirklich nötig?“ dachte ich mir, während ich mein Brötchen kaute. „Anscheinend schon…“ antwortete ich mir selbst.  Zuhören ist eine Form der Nächstenliebe. Wenn ich mich meinem Nächsten zuwende und wirklich hinhöre auf das, was er oder sie mir zu sagen hat, erweise ich ihm Respekt. Diese Wertschätzung bleiben wir anderen oft schuldig. Ich frage mich, ob wir nicht nur unseren Mitmenschen Herz und Ohr verschließen, sondern auch Gott? Den 5. Sonntag nach Trinitatis könnte man zum Sonntag des Hinhörens erklären. An diesen Sonntag geht es um Gottes Ruf und um unsere Berufung. Und es geht auch darum, ob wir diesen Ruf hören, ihn an uns heran lassen. Oder ob wir die Ohren „auf Durchzug“ stellen. Jesus hat die Menschen in Gottes Namen angesprochen und eingeladen. Sein Ruf in die Nachfolge gilt auch uns. Wir sollen ihm folgen auf den Weg ins Leben. Wir sollen selig werden. Nicht, weil wir es verdient haben, sondern weil Gott uns wertschätzt, weil er uns liebt. Im Wochenspruch aus dem Epheserbrief wird das so ausgesprochen: „Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch. Gottes Gabe ist es.“ Für uns moderne Menschen, die ständig unter enormen Leistungsdruck stehen und meinen, für alles, was gut und wichtig ist,  einen hohen Preis zahlen zu müssen, eine unglaubliche Botschaft, nicht wahr? Was für ein Jammer, wenn wir so eine gute Nachricht überhören!
20.7.2019